Peoplepleasing beschreibt das Bestreben, es allen recht machen zu wollen. Viele kennen dieses Muster, oft ohne es bewusst so zu benennen. Ich kenne es aus früheren Zeiten sehr gut.

Peoplepleasing entsteht selten plötzlich. Es entwickelt sich schleichend. Voraussetzung ist meist eine ausgeprägte Feinfühligkeit für die Bedürfnisse anderer, verbunden mit dem Wunsch, dazuzugehören, zu gefallen, in ein System zu passen. Hinzu kommt die Bereitschaft, die eigenen Grenzen immer wieder zu überschreiten – oft so selbstverständlich, dass es kaum bemerkt wird. Nicht selten endet dieser Prozess in Erschöpfung.


Wenn Anpassung zur Selbstverleugnung wird

Aus meiner Erfahrung ist Peoplepleasing häufig eng mit dem Impostor-Syndrom verknüpft.
Mit der tief sitzenden Angst, irgendwann als vermeintlich inkompetent, „nicht gut genug“ oder gar „dumm“ entlarvt zu werden.

Um dieses innerlich als real empfundene Bedrohungsszenario zu vermeiden, wird mit Charme, Anpassungsfähigkeit und großer Raffinesse agiert. Nach außen freundlich, verbindlich, leistungsbereit – nach innen angespannt, ängstlich, erschöpft.
Nicht selten wird dabei – meist unbewusst – manipuliert: Situationen, Erwartungen und Beziehungen werden so gesteuert, dass möglichst keine Angriffsfläche entsteht. Der Preis dafür ist hoch: die zunehmende Unkenntlichkeit des eigenen Selbst.


Der Wendepunkt

Dieses Muster kann eine Zeit lang funktionieren. Es macht jedoch auf Dauer unglücklich – und führt im besten Fall zu einer entscheidenden Erkenntnis: So möchte ich nicht weiterleben.

Dann beginnt eine neue Ausrichtung. Es wird Zeit, innezuhalten und sich selbst wieder ernsthaft kennenzulernen, jenseits von Rollen, Erwartungen und automatischen Reaktionen.

Und plötzlich zeigt sich: Die vermeintliche Inkompetenz war eine Illusion. Die eigene Andersartigkeit ist kein Mangel, sondern eine Qualität.

Es entsteht der Wunsch, sich innerlich aufzurichten. Sich selbst zu verzeihen.
Sich die Erlaubnis zu geben, auch einmal zu müde zu sein, um höflich zu sein.
Eine leise, wohltuende Form der Rebellion.


Ent-wicklung statt Optimierung

Nach und nach fallen die Schichten ab, die längst nicht mehr zu dir gehören. Du wirst empfindsam – vielleicht zum ersten Mal wieder wirklich für dich selbst.

Es beginnt eine Ent-wicklung im ursprünglichen Sinn: Ein Zurückfinden zu deinem Wesenskern.

Das Herz wird freier und ein neuer, authentischer Weg zeigt sich.


Begleitung auf diesem Weg

Ist dieser Weg allein zu gehen? Möglicherweise. Mit einer vertrauensvollen, professionellen Begleitung ist er oft klarer, sicherer und weniger schmerzhaft.

Ich bin da.


Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert